The Midnight Meat Train


USA 2008
Originaltitel: Midnight Meat Train, The
Regie:
Ryuhei Kitamura
Drehbuch: Jeff Buhler (nach einer Geschichte von Clive Barker)
Laufzeit: 100 Minuten (NTSC) ,98 Minuten (PAL) 
Freigabe: ungeprüft

Darsteller:
Bradley Cooper, Vinnie Jones, Leslie Bibb, Brooke Shilds, Roger Bart

„Please, step back from the meat“ Schon lange hat man in filmischer Hinsicht nichts mehr von Clive Barker gehört. Zwar hat der exzentrische Engländer hier und da ein Paar Horror-Filme produziert oder mal einem Drehbuch zur Vollendung verholfen, aber das ein Film mal wieder seine Handschrift trug, ist seit seinem Film „Cabal – Die Brut der Nacht“ (1990) nicht mehr der Fall gewesen. Viele der letzten Filme, die auf Barkers Geschichten basierten ließen doch oft den morbiden Charme vermissen und waren auch bei den Fans häufig nichts weiter als eine herbe Enttäuschung. Doch der gebeutelte Fan sollte belohnt werden.

Regisseur Ryuhei Kitamura, der nicht zu letzt durch seine Erfolge „Versus“ (2000) und „Azumi“ (2003) dem Genre-Fan ein Begriff sein sollte, widmete sich unter der schützenden Hand des Meisters Barker dessen Kurzgeschichte „Der Mitternachts-Fleischzug“ (The Midnight Meat Train). Zusammen schufen die beiden erfahrenen Filmemacher eine sehr morbide, brachiale und nicht zu letzte spannende Adaption des Gruselstoffes. 

Story:

Der Fotograph Leon(Bradley Cooper) versucht die Dunkelheit, Brutalität und auch Realität seiner Heimatstadt in seinen Werken einzufangen. Er fotografiert alltägliche Orte und Personen um mit Nachdruck die Seele der Stadt abzulichten. Zwar gefallen seiner Freundin Maya (Leslie Bibb) seine Impressionen, doch bleibt der Erfolg aus. Erst als Leon einen Überfall eines jungen Models mitbekommt und mit der Kamera drauf hält, wodurch die Gangster ihr Opfer in Ruhe lassen, gelingt ihm ein kommerzieller Erfolg.

Seine zufällig geschossenen Fotos haben die nötige Realität und Grausamkeit. Welche auch der bekannten Galeristin Susan Hoff (Brooke Shields) gefallen. Sie will Leons Bilder ausstellen. Allerdings muss er noch weiter Fotos dieser Art einfangen.Noch im Taumel des Glücks sieht der Fotograph am nächsten Tag einen Artikel über das Verschwinden des Models, welches er noch am Abend zuvor gerettet hat, in der Zeitung. Leon zählt Eins und Eins zusammen und berichtet der Polizei von der Gang, die das Mädchen angefallen haben und seiner Theorie, dass diese Bande hinter dem Verschwinden steckt. Allerdings ist Detective Lynn Headley (Barbara Eve Harris) nicht sehr überzeugt von der Theorie und beschuldigt zum Ende sogar Leon indirekt. Dieser lässt es sein und fotografiert weiter die Nacht. Bis er ein Motiv findet, dass es ihm wirklich angetan hat. Ein sehr steifer, ordentlicher, groß gewachsener Mann im grauen Anzug mit einer Art Arztkoffer. Von diesem Mann (Vinnie Jones) geht eine unglaubliche Präzision und unterschwellige Härte aus, dass Leon wie besessen dem Mann folgt und ununterbrochen fotografiert. Doch an einer Straßenecke wird es dem stummen Hünen zu bunt und er packt Leon sehr grob und mit Nachdruck am Kragen. Das Fotografieren hat ein vorzeitiges Ende. Beim Endwickel der gemachten Fotos fällt Leon allerdings ein erschreckendes Detail auf. Auf einem Foto des Models, das verschwunden ist, sieht man, wie eine Hand ihr die Tür zur U-Bahn aufhält. Leon kennt diese Hand. Und auch die Person dazu. Der namenlose Mann vom Vorabend! Auch er trug den Ring, der auf der Hand steckt, die die Tür aufhält. Leon spürt, dass das ein entscheidendes Indiz ist. Und so verfolgt er in der kommenden Zeit den Mann im Anzug wieder. Dieser stellt sich als Schlachter heraus. Leon ist überzeugt davon, dass der Mann mit dem Verschwinden zu tun hat. Er recherchiert und fotografiert und begibt sich immer Tiefer in die Gefahr, die von dem Schlachter ausgeht. Was nicht gerade zur Freude seiner Freundin beiträgt, da sie zunehmend Angst bekommt um ihren Freund und seine Obsession nicht versteht. Immer weiter treibt es Leon, bis er eines Nachts dem Mann in die U-Bahn folgt: ein fataler Fehler…

Denn der Mann namens Mahagany ist auch nachts Schlachter. Wie Vieh mordet er die letzten U-Bahn-Gäste nieder und hängt sie auf Haken im letzten Abteil. Leon ist schockiert und dokumentiert alles mit der Kamera. Bis er entdeckt wird! Maya ist besorgt um den Zustand ihres Freundes. Er verhält sich seit der letzten Nacht noch komischer, hat Visionen und kann nicht von dem Schlachter Mahagany lassen. Aus einem unerklärlichen Grund wurde er nicht getötet. Doch irgendetwas ist mit ihm geschehen. Maya will dem ganzen ein Ende bereiten und die Kamera von Leon, die ihm abgenommen wurde, aus dem Apartment des Schlachters zurückholen um mit eigenen Augen die grausamen Fotos zu sehen.

Zusammen mit dem gemeinsamen Freund Jurgis (Roger Bart) steigt sie in die Wohnung ein. Doch der vermeidliche Schlachter versteht keinen Spass und schnappt sich Jurgis.

Maya ist überzeugt. Sie glaubt ihrem zunehmend verstörten Freund. Und will alles beweisen. Doch auch ihr glaubt Detective Headley nicht. Maya sieht nur eine Lösung. Sie muss auch in die U-Bahn steigen und den Mann im Anzug zur Strecke bringen.Leon, der zu der Zeit seine Ausstellung hat, bekommt beim begutachten seiner Fotos eine Eingebung: Er geht in die Schlachterei, stattet sich mit Schürze und einigen Messern aus um dann „seinen“ Zug zu bekommen. Nun gemeinsam, treten Leon und Maya gegen den wild gewordenen Schlachter an. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt und endet an einem Ort, den nie jemand sehen sollte. Im Herzen der Stadt. Dem dunklen Herzen der Stadt. Und die frische Lieferung Fleisch für die Hölle unter der Stadt ist gerade eingetroffen… 

Kritik:

„The Midnight Meat Train“ ist ein ziemlich guter, spannender Thriller mit Horror- und Fantasy-Anleihen. Was auf den ersten Blick wie ein auf dem Plot von Michelangelo Antonionis „Blow Up“ (1966) basierenden Thriller aussieht, wird zunehmend zum beklemmenden Horrorstreifen, mit sehr detailliert Splatterszenen. Und gipfelt in seinem Finale in einen düsteren Fantasy-Film im Stil von Hellraiser.

Ryuhei Kitamura schwimmt nicht mit auf der Welle der wie Unkraut sprießenden Folter- und Terror-Filme sondern widmet sich tatsächlich der Story aus Barkers Feder. Und so wird alles mysteriös gehalten, Verwirrung gestiftet und alles immer wieder schockierend durch CGI-Blut unterstrichen.Auch wenn der Trailer von „The Midnight Meat Train“ auf einen Slasher der alten Schule schließen lässt, bietet der Film doch einiges Mehr und sprengt das enge Korsett dieses Genres. Was aus dem Trailer und den Beschreibungen nicht hervorgeht.Zwar kann der geneigte Splatter-Fan bedenkenlos zugreifen, doch ist dieser Film eher auf Fans blutiger Thriller mit übernatürlichen Anleihen zugeschnitten.  

Die Schauspieler sind alle durch die Bank weg überzeugend. Der Hauptdarsteller Bradley Cooper als Leon ist gut besetzt und spielt die Zerrissenheit zwischen besessenem Fotografen und labilem Opfer in der Schlinge sehr gut. Seine Freundin Maya, verkörpert von Leslie Bibb weckt Beschützerinstinkte beim Zuschauer. Und man leidet mit ihr, wenn sie im Unklaren gelassen wird und man sie übergeht. Weitere Schauspieler wie, Tony Curran als U-Bahn-Führer mit Geheimnis, Brooke Shields als Galeristin, oder Roger Bart als enger Freund des Pärchens spielen ihre Rollen souverän und ohne Patzer.Doch ganz klar glorifizieren muss man Vinnie Jones als mordenden Schlachter Mahogany. Bis auf zwei kleine Sätze zum Ende verbleibt der Engländer komplett stumm und spielt seine Rolle nur über die Mimik und seine Augen. So wird schon das eine oder andere Mal ein Blick zugeworfen, der töten könnte, der so viel Kälte ausstrahlt, dass für mich Vinnie Jones der prägnanteste Killer der letzten Jahre ist. Sein kühles, minimalistisches Auftreten und seine schon fast autistisch wirkendes Spiel (Kurze Bezugnahme im Film auf Forrest Gumps „life’s like a box of chocolates“ bestätigt dies) gepaart mit plötzlichen Gewaltausbrüchen sind tatsächlich beängstigend. Ein kleiner Cameo-Auftritt von Sam Raimis Bruder Ted Raimi ist auch zu nenne. Er stirbt allerdings einen schnellen CGI-Tod. Womit wir auch schon bei der Umsetzung wären.

Die Kameraarbeit von Jonathan Sela ist sehr gut. Bewies er schon in dem umstrittenen Martin Weisz- („The Hills Have Eyes II“ (2007)) Film „Rohtenburg“ (2006) und aktuell in „Max Payne“ (2008) sein Händchen für dunkle Straßen, Gassen und Räume. Welches er hier auch wieder eindrucksvoll bei dem Einfangen von toten Straßen, Gassen und natürlich der klinisch-bedrohlich wirkenden U-Bahn unter Beweis stellt.

Der Soundtrack des deutschen Johannes Kobilke (Erfahrungen u. a. durch deutsche Produktionen wie „Tatort“) und Robb Williamson tut dann noch sein Übriges. Die Spannung wird gut untermalt.Ein Wermutstropfen ist dann allerdings doch noch zu nennen - die Effekte. Zwar ist es wohl in der heutigen Zeit nicht mehr Usus Splattereffekte von Hand zu machen, doch sollte man in manchen Fällen dann doch wenigstes etwas mehr Energie in die computergenerierten Effekte stecken. So enttäuschen die Effekte in „The Midnight Meat Train“ leider auf voller Linie und wirken in keiner Szene echt. Speziell in einigen Zeitlupen-Einstellungen schämt man sich für diese stümperhafte Arbeit, die das eine oder andere Mal die Geschwindigkeit raus nimmt. Allerdings wird dieser Patzer dann doch wieder in der Summe durch eine gute, packende Story, perfekte Regiearbeit, gute Bilder, teilweise sensationelle schauspielerische Leistung und einen tollen Soundtrack wieder ausgebügelt.

Fazit:

„The Midnight Meat Train“ ist das langersehnte Licht am Ende des Tunnels. Ein teilweise schon sehr harter Horror-Thriller, der durch einen ungewöhnlichen Plot auf voller Linie zu begeistern weis. Und mit seiner untypischen Erscheinung sich wohltuend vom Torture-Porn-Film der letzten Monate abhebt und tatsächlich mal wider ordentliche Unterhaltung für den anspruchsvollen Horror-Fan bietet, der keine Lust mehr hat auf die morbiden Fallen-Spiele eines alten Mannes mit Side-Kick-Puppe, und erkannt hat, dass nicht alles was von Tarantino produziert wird auch Gold ist. „Der Mitternachst-Fleischzug“ von Kitamura ist eine klare Empfehlung von mir! 

 Qualität: 
Härte:
 

 


DVD:

 

DVD - The Midnight Meat Train

(US-DVD, RC1, „Unrated Director’s Cut“)

Die DVD bietet den Film im 100 Minuten (NTSC) langen Director’s Cut in sehr scharfem, teilweise aber auch stilbedingt grobem Bild. Die Farben sind zwar als Stilmittel etwas bläulich, wirken aber stimmig und kräftig. Die Disc bietet ordentliche Detailschärfe und keinerlei Patzer in dunklen Stellen, etc. Der Ton ist gut zu verstehen und liegt in Englisch vor. Zudem werden englische und spanische Untertitel geboten. Zwar hat die DVD keine großartigen Special, bietet aber dennoch ein nettes Audiokommentar mit dem Regisseur und einem Clive Barker, der sich so verraucht und fertig anhört, dass es einen schüttelt. Teilweise werden Querverweise auf die Originalgeschichte genannt und Interpretationsansätze gestreut.

Beeindruckend ist das Feature „Clive Barker: The Man Behind The Myth“. Dort wird viel mit Clive Barker gesprochen und man sieht, was er doch für ein außergewöhnlicher Zeichner und Künstler ist. Das ganze Haus scheint voll zu stehen mit seinen Werken. Weiter Features sind: „Anathomy Of A Murder Scene“ (über die Special-Effects) und  „Mahogany’s Tale“ (Beschreibung der Schauspieler zum Charakter des Schlachters). Eine empfehlenswerte DVD.

Bis jetzt ist noch kein deutscher Release in Aussicht. Und auch wenn eine deutschsprachige Auswertung des Films es schafft, wird sie es doch nicht ganz so leicht haben bei der Freiwilligen Selbstkontrolle. Deswegen: Zugreifen! 

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